Auf ein Wort!
Niemand kennt den Tag und die Stunde
Liebe Gemeinde,
"Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang" - so sangen "die lustigen Jungs" 1953. Ein
Gassenhauer ist dieses Lied geworden. Mit der Angst vor dem Ende kann man unterschiedlich umgehen. Die lustigen Jungs haben
die Angst einfach wegsingen wollen. Sehr zweifelhaft, ob das auf die Dauer gelingt.
Am 21. Dezember diesen Jahres endet geheimnisvoll der Kalender der untergegangenen Kultur der Maya, einem ausgestorbenen
Volk Mittelamerikas. Wie schon im Jahre 1999 angeblich der Französische Seher und Prophet Nostradamus in seinen Texten
(16. Jhdt.) den Weltuntergang vorhergesagt hat und nicht wenige in diesem Jahr vor der Jahrtausendwende das ganze in Angst
getauchte Szenario für glaubhaft hielten, so wird jetzt in diesem Jahr die Tatsache bemüht, dass der Kalender der
Maya endet. Dies trifft sich ausgezeichnet, da auch die Sonne in einer Konjunktion steht, die die Astronomen für
außergewöhnlich, beinahe gefährlich halten. Der 21. Dezember diesen Jahres ist nun der befürchtete Tag
des Weltuntergangs.
Lächerlich machen will ich das nicht, aber zur Besonnenheit will ich aufrufen, die sich uns Christen ziemt. "Doch
jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, nur der Vater" (vgl.
Mt. 24,36; Mk13,28-32). Alle akrobatischen Berechnungen diesbezüglich sind naiv und lebensuntauglich.
Von Martin Luther ist uns ein trefflicher Satz überliefert: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht,
würde ich noch heute mein Apfelbäumchen pflanzen".
Das neue Jahr mit all' seinen Unwägsamkeiten und Überraschungen ist uns nicht Anlass, undefinierbare Ängste
aufzubauen. Lassen Sie uns diesbezüglich einfach Martin Luther folgen, der hier eine urchristliche Haltung beschreibt,
die der Hoffnung.
Ein lateinischer Merksatz hat es auf den Punkt gebracht: "dum spiro, spero"; "so lange ich atme,
hoffe ich."
Ich wünsche uns allen in unserer Gemeinde den langen Atem, der uns befähigt, undefinierbare Ängste zu bannen
und fähig zu werden, den täglichen Herausforderungen des Alltags aus unserer Glaubenshaltung heraus zu entsprechen;
nicht zu fliehen in eine abstruse Gedankenwelt, der sich leider nur allzu viele hingeben.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein von Gott gesegnetes Neues Jahr.
Ihr Pfarrer